5-Minuten-Traum vom 31. März 2020

8D-Musik

Achtung: Bevor Ihr einfach bei dem Video auf Play drückt... erst unbedingt Kopfhörer aufsetzen! Sonst hört Ihr den Effekt nicht ;-) 

 

Wummernde Tracks aus scheinbar acht Dimensionen? Der Youtube-Trend 8D-Musik will euch aus den Socken hauen – dabei steckt dahinter ein ganz simpler Trick.

Ein krass räumlicher Klang und beinah das Gefühl, live bei einem Konzert dabei zu sein – obwohl man die Musik nur über stinknormale Kopfhörer hört: das verspricht ein Trend auf Youtube durch sogenannten 8D-Sound.

Aber sind mit 8D auch acht Dimensionen gemeint? Was nach trippig neuer Sci-Fi-Technologie klingt, steht in diesem Fall wohl für "8 Directions", also acht Richtungen, aus denen die Musik zu kommen scheint. Die Assoziation mit den acht Dimensionen ist nur ein schlau gewählter Name, um die Leute zum Klicken zu bringen.

Seit Herbst 2018 laden täglich immer mehr Youtuber ihre selbstgemachten 8D-Versionen von bekannten Songs hoch. Immer dabei der Befehl: unbedingt Kopfhörer tragen!  Und die Youtube-Gemeinde feiert es: Von "Ich habe drei Mal meine Kopfhörer herausgenommen, weil ich dachte, meine Mum hört alles", über "Für was braucht man Konzerte, wenn man eins in seinem Zimmer haben kann?", bis hin zu "Ich denke die ganze Zeit, Capital Bra läuft um mich rum!", ist fast ausnahmslos Begeisterung dabei.

Hinter dem allen steckt keine Magie, sondern eine stinknormale MP3-Stereo-Datei. Die eigentliche Arbeit, das alles so krass dreidimensional klingen zu lassen, erledigt nämlich unser Gehirn.

 
Simple Signalverarbeitung
Dafür muss man erstmal verstehen, wie der Mensch ganz grundlegend Töne und ihre Richtung wahrnimmt.
"Wenn ich in einer natürlichen Umgebung stehe, kann ich Dinge unterscheiden: oben, unten, vorne, hinten. Wenn ich nur ein Ohr hätte, würde das nicht gehen, aber ich habe ja zwei Ohren. Denn es gibt Laufzeitunterschiede, wann das Signal am linken und wann das Signal am rechten Ohr ankommt. Das heißt: Das Gehirn hat gelernt, das, was über zwei Ohren reinkommt, irgendwelchen Richtungen zuzuordnen."
- Dr. Bernhard Grill, Leiter des Fraunhofer Institut in Erlangen, Mitentwickler der MP3

 

Ohne Kopfhörer unsinnig
Die Klangkünstler wenden einen vergleichsweise simplen Trick an: Sie laden einen schon existierenden Song in eine entsprechende Audio-Software. Ein Reverb-Plugin übersetzt dann die gewünschte Raumbewegung in die notwendigen Schall- und Lautstärkenunterschiede. Sie erstellen quasi eine Art Remix, der einen ganzen Fake-Raum simuliert. In dem wabert die Musik scheinbar hinten um den Kopf herum.

Durch den Hall klappt die Illusion nicht, wenn ein 8D-Song über offene Lautsprecher läuft, denn dann kommt der Schall komplett unkontrolliert und vermischt an den beiden Ohren an. Der Song hat also nur ein irritierendes Echo und fühlt sich ein wenig daneben an. Ähnlich, wie wenn man einen 3D-Film ohne 3D-Brille anschaut.

 

Also: Probiert doch den Klassiker von Led Zeppelin aus, aber unbedingt mit Kopfhörern! Und Augen zu machen ;) 

 

 

 

Quelle: https://www.br.de/puls/themen/netz/youtube-trend-8d-audio-100.html